Informationen zum Thema Transgender

Begriffserklärungen

Cis ist das Gegenstück zu trans.

Wenn du bei deiner Geburt als Junge bezeichnet wurdest, die Gesellschaft dich und deinen Körper als Mann sieht, und sich das für dich richtig anfühlt, dann bist du ein cis Mann.

Du wurdest bei deiner Geburt als Mädchen bezeichnet, die Gesellschaft betrachtet dich und deinen Körper als Frau, aber du selbst weißt innerlich, dass du ein Mann bist, dann bist du ein trans Mann.

Wenn du bei der Geburt als Junge bezeichnet wurdest, aber innerlich weißt, dass du eine Frau bist, dann bist du eine trans Frau.

Manche trans Menschen fühlen sich nicht als Mann und nicht als Frau. Das heißt z.B. nicht-binär.

Manche Menschen nennen sich selbst nicht trans, sondern sagen z.B., dass sie eine Transitions-Vergangenheit haben.

Die Transition ist der Weg, den viele trans Menschen gehen, um in ihrem inneren Geschlecht zu leben – dazu gehören z.B. Hormontherapien, verschiedene Operationen, sowie die rechtliche Änderung von Vornamen und Geschlechtseintrag im Personalausweis und anderen Dokumenten.

Manche trans Menschen machen nicht all diese Transitionsschritte. Manche verändern nichts oder nur wenig an ihrem Körper. Das ist eine individuelle Entscheidung. Aber jeder trans Mann ist ein Mann. Jede trans Frau ist eine Frau – auch ohne OPs.

Dein körperliches Geschlecht ist von Natur aus eindeutig männlich oder eindeutig weiblich. Endo ist das Gegenstück zu inter.

Das körperliche Geschlecht ist bei manchen Menschen von Natur aus nicht eindeutig männlich oder weiblich. Manchmal ist das von Geburt an klar, manchmal finden Menschen erst in der Pubertät oder später im Leben heraus, dass ihr Körper sowohl weibliche als auch männliche Geschlechts­merkmale hat.

Manche inter Menschen leben als Männer, manche als Frauen, manche als beides oder nichts von beiden.

Bei Trans- und Intergeschlechtlichkeit geht es um Geschlechtsidentität: Was ist mein Geschlecht? Wie möchte ich von anderen benannt werden?

Das ist nicht unsere sexuelle Orientierung!Alle Menschen haben eine Geschlechts­identität UND eine sexuelle Orientierung:

Eine trans Frau kann z.B. lesbisch, bisexuell, heterosexuell oder asexuell sein. Ein trans Mann kann z.B. schwul, bisexuell, heterosexuell oder asexuell sein. Eine inter Person kann z.B. schwul, lesbisch, bisexuell, heterosexuell oder asexuell sein.

Deswegen möchten z.B. schwule / bisexuelle trans Männer gerne auf schwule Quälgeist-Partys gehen, denn sie sind Männer und stehen auf Männer.

Wir beiden Verfasser*innen sind trans und endo, deshalb reden wir vor allem über Lebensrealitäten von trans Menschen. Wenn ihr mehr über die Situation von inter Menschen in Deutschland / Europa wissen wollt, könnt ihr z.B. hier weiterlesen:
Bei der Organisation Intersex International: https://oiigermany.org/toolkit/
Beim Intergeschlechtliche Menschen e.V.: https://im-ev.de/publikationen/

Erfahrungen von trans Menschen

Bestimmt hast du schon mal erlebt, dass andere Menschen dich wegen deines Schwulseins oder wegen deiner Liebe zu BDSM verurteilt oder ausgeschlossen haben. Oder, dass jemand abwertende Kommentare über deinen Körper gemacht hat: z.B. „dick“ als Beleidigung zu verwenden statt zu sehen, dass dicke Körper attraktiv sind!* Das ist Diskriminierung, weil andere dich nicht so akzeptieren, wie du bist.

*Zu Gewichtsdiskriminierung kannst du übrigens hier weiterlesen: https://gewichtsdiskriminierung.de/ Podcast „Larger Living“ auf Deutsch & Englisch: https://www.largerliving.de/

Diskriminierung ist mit Gewalt verbunden: körperliche Gewalt (z.B. verprügelt oder angespuckt werden), psychische Gewalt (z.B. Beleidigungen, Ausschluss aus sozialen Gruppen) sowie strukturelle Gewalt (z.B. Benachteiligung bei der Vergabe einer Wohnung oder eines Jobs oder Kündigung).

Auch unsichtbar machen ist Diskriminierung (z.B. wenn in Medien nur Hetero-Paare vorkommen und es heißt, lesbische / schwule / trans / inter Menschen dürften Kindern nicht gezeigt werden).

Diskriminierung verletzt uns.

Deshalb gibt es auch den Quälgeist: weil wir einen Ort brauchen, an dem wir vor Diskriminierung sicher sind. An dem wir so sein dürfen, wie wir sind.

Auch trans Menschen erleben im Alltag häufig Diskriminierung, weil sie trans sind. Diskriminierung gegen trans Menschen heißt Transfeindlichkeit.

Besonders häufig passiert:

  • Falsche Namen / Pronomen (z.B. „er“ statt „sie“ für eine trans Frau) werden verwendet. Oft aus Versehen, manchmal aber auch absichtlich.
  • Das innere Geschlecht wird nicht anerkannt, stattdessen wird z.B. zu einem trans Mann gesagt „Nein, du bist eine Frau, weil du eine Vulva / keinen Penis hast“. Dann wird z.B. dieser Mann bei einer schwulen Veranstaltung nicht reingelassen aufgrund von Körpermerkmalen.
  • Es wird über trans Menschen so gesprochen, als ob sie nicht „normal“ wären – oder z.B. als ob trans Männer keine „richtigen“ Männer wären.
  • Intime und unangenehme Fragen werden gestellt, z.B. nach Genitalien („Bist du schon operiert?“). Stell dir vor, eine fremde Person fragt dich als erstes nach deinen Hämorrhoiden. So fühlt sich diese Frage für trans Menschen an!

Viele trans Menschen fühlen sich unwohl in ihrem Körper, sie mögen bestimmte Körper­teile am eigenen Körper nicht, weil sie nicht zu ihrem inneren Geschlecht passen.

Deshalb tragen z.B. trans Männer, die keine Oberkörper-OP hatten, häufig einen Binder (eine Art Kompressionsweste, die die Brust flacher erscheinen lässt). Ohne Binder würden sie sich auch gar nicht in der Öffentlichkeit zeigen.

Viele trans Menschen möchten sich also auf einer öffentlichen Party gar nicht oder nur in einer geschützten Ecke mit ihrem Spielpartner ausziehen.

Nicht alle trans Männer fühlen sich unwohl in ihrem Körper. Manche fühlen sich so wohl wie sie sind. Das klappt aber nur, wenn sie für ihr Aussehen nicht ausgeschlossen oder anders als andere behandelt werden.

Doch selbst, wenn sich die meisten trans Menschen gar nicht unbedingt ausziehen möchten: das Wissen, nicht die gleichen Rechte zu haben wie alle anderen Gäste, erzeugt ein Gefühl, nicht willkommen zu sein.

Wie können die Diskussion und die Partys gelingen?

Diese Dinge sollten in der Diskussion und auf den Partys vermieden werden, damit sich trans Menschen willkommen und sicher fühlen. Diskriminierung tut besonders weh, wenn wir an einem Ort sind, der sich wie ein geschützter Raum anfühlen soll. Im Quälgeist sollen sich alle Menschen so wohl fühlen, wie sie sind: mit ihren Fetischen, mit ihrer sexuellen Orientierung, mit ihrem Aussehen und mit ihrem Geschlecht.

Damit das so ist, wünschen wir trans Menschen uns:

  • dass unser Geschlecht uns geglaubt wird: wenn ich sage „ich bin ein schwuler Mann“ dann bin ich ein Mann und möchte auf einer schwulen Party willkommen sein.
  • dass ihr unser Geschlecht nicht auf unsere Genitalien oder Körpermerkmale be­schränkt.
  • dass ihr uns zuhört und glaubt, wenn wir darauf hinweisen, dass etwas transfeindlich ist. Fehler passieren, aber wir können es in Zukunft zusammen besser machen!
  • alle trans (und auch inter) Menschen sind unterschiedlich. Wenn eine andere trans oder inter Person etwas anderes über ihre Lebens­realität erzählt als wir, dann hat sie genauso Recht wie wir über uns selbst!

Übrigens: Es ist NICHT transfeindlich, dass du nicht auf Genitalien stehst, die für dich wie eine Vulva aussehen. Was dich anmacht und was nicht, das kannst du nicht beeinflussen. Mit wem du spielen oder Sex haben möchtest, entscheidest du selbst.

Entscheidend ist der Umgang damit!

Auf einer öffentlichen Playparty wird es immer Anwesende geben, auf die du nicht stehst, und du wirst Fetische von anderen mitbekommen, die du nicht magst. Das ist ok, wir teilen den Raum. Du kannst weggucken und dir Spielpartner*innen suchen, mit denen du Spaß hast!

Auf der anderen Seite gilt die Rücksicht aufeinander (gemäß der Quälgeist-Haus­ordnung) – niemand soll sich so verhalten, dass es andere Gäste stört.

Das bedeutet z.B., niemandem mit deinen Genitalien im Gesicht rumzuwedeln, der das nicht will. Egal welche Form diese Genitalien haben!

2017 gab es im Rahmen der Frauen Lesben Trans Gemeinschaft eine ausführliche Diskussion, ob Penisse* auf (so genannten „lesbischen“) Partys sichtbar sein dürfen oder nicht. Die Diskussion war lang und emotional, aber sie war wichtig. Auf beiden Seiten hatten wir das Gefühl, dass Leute sich einen Schutz­raum wünschen, weil sie sonst nicht mehr auf Playpartys gehen können.

Im Anschluss hatte die Honey & Spice für ca. 1 Jahr die Regel, dass Penisse* nicht überall sichtbar sein dürfen, Vulvas* aber schon.

*An den Worten Penis und Vulva ist in diesem Abschnitt ein Sternchen, um zu zeigen, dass diese Worte nur beschreiben, was andere Menschen von außen sehen. Trans Personen selbst bezeichnen ihre Genitalien ggf. anders. Die Selbstbeschreibung zählt!

Als wir nach dieser Zeit die Auswirkungen betrachtet haben, stellte sich heraus:

  • Wir haben viele trans Frauen und auch deren Spielpartner*innen verloren, die von der Regel verletzt wurden. Durch die Anders-Behandlung wurde die Veran­staltung zu einem Ort, an dem viele trans Menschen sich nicht mehr willkommen fühlen konnten.
  • Personen, die sich gegen die Sichtbarkeit von Penissen* ausgesprochen hatten, haben wir weiterhin auf Veranstaltungen ange­troffen, die keine einschränkende Regel hatten.

Aufgrund dieser Auswirkungen hat die Honey & Spice die einschränkende Regel abge­schafft. Dazu gab es viel positive Rück­meldung.

→ Ungleichbehandlung führt dazu, dass sich viele trans Menschen nicht im Quälgeist sicher fühlen und nicht mehr kommen. Wirtschaftlich bedeutet das zudem weniger zahlende Gäste!

→ Gleiches Recht für alle (in der Zielgruppe der jeweiligen Party) gibt allen die Möglichkeit, sich willkommen zu fühlen. Damit erfüllen wir auch die Entscheidung der MoM, dass trans Personen zu Veranstaltungen im Quälgeist ebenso eingeladen sind wie cis Personen!

Daher ist unsere Bitte an alle: Lasst es uns wagen!
Veränderungen verunsichern erst und brauchen Zeit, doch am Ende stellt sich meistens doch heraus, dass Befürchtungen sich nicht erfüllen, sondern eine bessere Atmosphäre für alle entsteht.